Verrückte Liebesbande
April 18, 2009
Regen, Regen, Regen. Der Allergiker freut sich und auch ich muss sagen, dass Regenwetter nach Wochen voll Sonne entspannend sein kann. Das Werkeln beschränkt sich auf innen und überhaupt ist der Geist auf Tiefflug mit den Wolken…
Wie ihr vielleicht wisst wohnen meine andere Hälfte und ich seit einiger Zeit bei meiner Mutter und Oma im Haus, übergangsweise. Anfangs fühlt man sich sehr gastlich, doch bald wird’s ab und zu garstig. Mütter bleiben Mütter, Kinder bleiben Kinder, auch wenn die ersten grauen Haare auftauchen. Das ist sehr frustrierend. Wie kann Liebe so sein, dass man sich manchmal am liebsten vor dieser Fürsorgeartillerie verstecken möchte und die Flucht ergreift?! Es ist ein Rätsel und ein Widerspruch in meiner Seele: mütterliche Liebe die einen um Verstand und Nerven bringt.
Bin ich ein undankbares Kind? Ist unsere Familie verrückt und besonders streitlustig?
Wenn ich manchmal im Garten sitze und darüber nachdenke muss ich innerlich grinsen. Mir fallen schlaue Artikel ein aus Zeitschriften, Zeitungen usw. Da steht was drin über Mehrgenerationenprojekte. Auffallend rosig ist der Nachgeschmack. Soziales Projekt, Alt und Jung, integratives Wohnen, blabla…ich muss gestehen das ich darauf reingefallen bin, diese Idealvorstellung der Harmonie und des nimmerendenden gegenseitigen Verstehens, ich alter Hippie!
Ich habe ein Problem mit Streiten, wenn ich ehrlich bin, am liebsten Frieden mit Schlagsahne. Doch dieses Bataillon des Ursprungsnestes provoziert erstaunlich früh die Ablegung meiner Hemmungen und Prinzipien, dazu schlechtes Gewissen als Beilagensalat. Aber so funktioniert das eben mit der Kommunikation. Wenn jeder nur in seinem Gräbele sitzt und ab und zu was abschiesst kommt das meistens nicht an. Also, raus, rein in die Sosse, keine Angst vor Dreck. Ich glaube, dass es eines der besten Lernfelder der Kommunikation für mich ist, aber auch mit das Schwerste.
Nach einigen Wochen bin ich zu dem Schluss gekommen: Wir sind normal. Es ist vielleicht sogar ein gutes Zeichen, diese Diskussionen und Krawallitäten. Wir nehmen teil, manchmal unfreiwillig zugegebenermassen, aber wenigstens ignorieren wir uns nicht mit mildem, müdem Blick. Und das macht alle irgendwie liebenswert.
Ein Hoch auf den Familienauflauf!
liebe Marit,klasse!n wäre als Artikel in einer Zeitung gut vorstellbar.
danke für die blöömschen
juhuu…wir sind normal
endlich wissen wir es!