Gedanken zu 30 und zum Timing
August 4, 2009
Wahrscheinlich ist es jetzt kein grosses Geheimnis mehr: die Marit ist 30 geworden. Und obwohl das Alter nichts zu sagen hat schwebt die drei manchmal bedrohlich, dann auch wieder versöhnlich über dem Leben. Es gibt Zeiten in denen ich froh bin aus der Schule zu sein, dies und jenes überstanden zu haben und keine Teenie-Probleme mehr zu haben. Mit dreissig macht man unwillkürlich eine Art Zwischenbilanz des Lebens. Und ich denke bei mir wo das noch alles enden soll.
Aber nicht alles hört auf, manche Dinge tut man auch zum ersten Mal. Zum Beispiel auf die Autobahn machen. So geschehen letztens. Stau: unendlich. Plötzlich muss ich wie verrückt auf’s Klo. Kein Klo weit und breit, Leitplanke, Asphalt, Auto an Auto. Ich denke das ich’s noch aushalten kann, doch irgenwann muss auch das Zusammenkneifen weichen. Rechts ran, ich verstecke mich zwischen Vorder- und Hintertür (versuche es zumindest). Als ob es nicht schon entwürdigend genug ist und man sich Pfiffe und Bemerkungen anhören muss hält dann auch noch ein Auto direkt neben uns und fragt Mitch ob er nicht ein Stück Kuchen möchte. An sich nett, aber das Auto ist zu weit weg, also muss die Tür aufgemacht werden und der Blick wird freigegeben auf mich in besagter Pose. Die Begegnung gipfelt in der Aushändigung eines Traktats. Soviel zum richtigen Timing und individuellem Empfinden der Erlösung. Ich war jedenfalls erleichtert als ich endlich wieder ins Auto konnte.
Die Moral von der Geschichte: Trink keinen Kaffee vor einer Autofahrt, ab einem Punkt ist es sch****egal was andere denken, da geht es nur um’s Überleben und verteile keine Traktate auf der Autobahn…oder so ähnlich.
Verrückte Liebesbande
April 18, 2009
Regen, Regen, Regen. Der Allergiker freut sich und auch ich muss sagen, dass Regenwetter nach Wochen voll Sonne entspannend sein kann. Das Werkeln beschränkt sich auf innen und überhaupt ist der Geist auf Tiefflug mit den Wolken…
Wie ihr vielleicht wisst wohnen meine andere Hälfte und ich seit einiger Zeit bei meiner Mutter und Oma im Haus, übergangsweise. Anfangs fühlt man sich sehr gastlich, doch bald wird’s ab und zu garstig. Mütter bleiben Mütter, Kinder bleiben Kinder, auch wenn die ersten grauen Haare auftauchen. Das ist sehr frustrierend. Wie kann Liebe so sein, dass man sich manchmal am liebsten vor dieser Fürsorgeartillerie verstecken möchte und die Flucht ergreift?! Es ist ein Rätsel und ein Widerspruch in meiner Seele: mütterliche Liebe die einen um Verstand und Nerven bringt.
Bin ich ein undankbares Kind? Ist unsere Familie verrückt und besonders streitlustig?
Wenn ich manchmal im Garten sitze und darüber nachdenke muss ich innerlich grinsen. Mir fallen schlaue Artikel ein aus Zeitschriften, Zeitungen usw. Da steht was drin über Mehrgenerationenprojekte. Auffallend rosig ist der Nachgeschmack. Soziales Projekt, Alt und Jung, integratives Wohnen, blabla…ich muss gestehen das ich darauf reingefallen bin, diese Idealvorstellung der Harmonie und des nimmerendenden gegenseitigen Verstehens, ich alter Hippie!
Ich habe ein Problem mit Streiten, wenn ich ehrlich bin, am liebsten Frieden mit Schlagsahne. Doch dieses Bataillon des Ursprungsnestes provoziert erstaunlich früh die Ablegung meiner Hemmungen und Prinzipien, dazu schlechtes Gewissen als Beilagensalat. Aber so funktioniert das eben mit der Kommunikation. Wenn jeder nur in seinem Gräbele sitzt und ab und zu was abschiesst kommt das meistens nicht an. Also, raus, rein in die Sosse, keine Angst vor Dreck. Ich glaube, dass es eines der besten Lernfelder der Kommunikation für mich ist, aber auch mit das Schwerste.
Nach einigen Wochen bin ich zu dem Schluss gekommen: Wir sind normal. Es ist vielleicht sogar ein gutes Zeichen, diese Diskussionen und Krawallitäten. Wir nehmen teil, manchmal unfreiwillig zugegebenermassen, aber wenigstens ignorieren wir uns nicht mit mildem, müdem Blick. Und das macht alle irgendwie liebenswert.
Ein Hoch auf den Familienauflauf!
Lieber Leser!
Wie geht es dir? Mir geht es gut. Die Sonne scheint sehr und die Blüten an den Bäumen der Bergstrasse schlagen nicht nur aus, sie explodieren. Es gab heute Reste zum Essen: Uncle Joe’s Mitternachtssuppe und Apfel-Brotauflauf mit Vanillesauce. Gestern abend habe ich einen alten James-Bond Film angeschaut. Er war sehr schön und aufregend. Ausserdem habe ich mir auch in den Finger geschnitten, war actionreich.
Also, mir fällt nichts mehr ein,
Tschühüs
PS: wer das liest ist treu!
statement
Februar 24, 2009
Ich weiss das ich lange nichts mehr geschrieben habe. Ich hatte keine Lust über etwas zu schreiben, das ich lieber gelebt habe als es zu beobachten und darüber zu berichten.
Essenz aus Erlebtem – Short Version
Oktober 26, 2008
Tourist – aber ja, aber nein, aber ja, aber nein, weil nämlich arbeiten und leben wir hier bei Three Rivers Grapevine and Palm Tree Nursery, Wein veredeln, Stöckchen schneiden, im Dreck sitzen und Umtopfen, Staub atmen, die Stille auf dem Feldklo geniessen und den Wind am Hintern spüren, ein Sandwich pro Tag, Smoko-Lunchtime-Smoko-fertig, sich auf Freitag freuen weil man dann endlich die absolut dreckigen Klamotten wäscht, barfuss 100.000 Weinpflanzen in die Erde stecken, den berüchtigten Gisborne-2-3-Tage-Wind überstehen ohne verrückt zu werden vom Dreck der einem entgegenfliegt bis in den Bauchnabel, Friday-Coffee-Club mit Mike & Beth, alle paar Wochen umziehen, im Auto cruisen und dabei eine Bäuerin aus St.Gallen kennenzulernen (der Schweizer Akzent konnte sich nicht im Englisch verstecken), Killerwale waren hier, wir haben sie leider verpasst, Träume wahr werden lassen: wir wollten schon immer surfen gehen, zum Glück kennen wir jemanden der direkt am Strand lebt und uns die Ausrüstung leiht, mein Erfolg bisher: kann zwar noch nicht aufstehen, aber zum knien mit Siegerpose hats schon gereicht!, Schafschurwettbewerb auf der A&P Show nebst Zuckerwatte und einer Fahrt auf dem Metalloktopus mit 3-minütiger Schreieinlage, Second-Hand-Shops durchstöbern, Warehouse und Real Groovy nach günstigen CDs durchforsten, Strandjoggen, leben, Kaffeetrinken gehen (Chrissi, müssen wir auch mal wieder machen, yo), abhängen in der Granny-Flat 162 B Whitaker Street, Kakerlaken begegnen, Fish & Chips, Roadtrip nach Auckland mit Mike & Beth, Brokkoli auf Wiese, Spa’s, Seife ist toll, German Party am Tag der Deutschen Einheit (Sauerkraut-Frankfurter Würstchen-HotDogs, Oranjeboom (nicht wirklich deutsch) und ‘Freundeskreis’ CD) das erste mal das wir diesen Feiertag überhaupt gefeiert haben, 68er Party in Wainui, Solid Gold Radio, Dallys-Dikes-Germs rocken, Häuser angucken und sich vorstellen sie zu kaufen, Englisch und Deutsch verwurschteln, sich den Kopf zerbrechen was man in aller Kürze Leuten zuhause schreiben soll, sich den Wäscheständer überziehen und im Mondschein tanzen
nicht das man alles verstehen würde, aber es ist halt so
G’day mates
Juni 10, 2008
Wenn ich aus dem Fenster schaue sehe ich die Skyline von Sydney. Das erste was ich gemacht habe: das Fenster geöffnet und gesungen. Vorher waren wir in einer Art Kellerzimmer, not very nice, das Bett war nur äusserst vorsichtig belegbar wegen Lattenrost-Fall-Gefahr. Dann hab ich zu der sowieso schon vorhandenen Luftfeuchtigkeit noch einen draufgelegt und ausversehens die Sicherung vom Kühlschrank ausgeschaltet (tropf, tropf) Na ja, nach 3 Tagen Keller sind wir aufgestiegen und können jetzt besagte Aussicht geniessen.
So, das mal dazu.
Der erste Tag war Regen pur: vom Busbahnhof bis zur Suche nach einem Backpackers und das Hinlaufen…WET!!! Dann diese Trolley-unfreundlichen Bordsteinkanten. Wenn man nicht die Halfpipe-ähnliche Bordsteinrampe trifft muss man einen Olli mit seinem Suitcase machen, oh golly! Und dann dieser Haufen an vergnügungssüchtigen Backpackern, immer auf der Suche nach der besten Party, nach free drinks…und man ist einer davon! Mal im Ernst, ich glaub ich werde alt. Manchmal geht mir dieser Backpackerhype wirklich auf die Nerven. Die erste Nacht war eher unruhig, die DEUTSCHEN im Zimmer neben uns haben uns an ihrer Party teilhaben lassen und Sätze wir ‘Gehn wa eine rauchn?’ erinnern einen an die Heimat. Also, der Anfang war etwas rauh, ABER dann zeigte sich Sydney von seiner guten Seite und jetzt haben wir schon viel erlebt und geniessen diese schöne Stadt am Wasser. Meine persönlichen Highlights: die Flughunde, die hier und da abhängen, Jack Black live zu erleben auf dem roten Teppich, meine alte Schulfreundin zu treffen, das genialste Thaicurry am ersten Abend.
ich halt euch auf dem Laufenden, cheers
Vom Ende der Welt
April 25, 2008
Wie ist es so am Ende der Welt?
Erstaunliche Phänomene, wie das die Wasserstrudel in Klo, Badewanne oder Abspülbecken sich andersrum drehen werden zum Alltag und überhaupt: hätte ich das nicht vorher von jemandem gehört hätte ich es wahrscheinlich gar nicht bemerkt…
Weitere Kuriositäten: es gibt keine 1, 2 oder 5 Cent Münzen, es wird immer auf- oder abgerundet. Ein kleines Beispiel: Kaufen sie DIES für nur 1,99 …. heute im Angebot, DIES für 1,96. Egal für welches Angebot man sich entscheidet, los wird man sein Geld in beiden Fällen um die gleiche Menge. Ich kann mir gut vorstellen wie hier irgendwann beschlossen wurde diese Korinthenkackerei um die einzelnen Cents abzuschaffen und für albern zu erklären. Denn oberstes Gebot ist: mal ganz locker bleiben! Das ist für uns Germans ganz schön schwer, wo man doch sein Leben auf Genauigkeit aufbaut (der kleine Kontrollfreak in mir ist hier aufs Äusserste gefordert die Backen zu halten)
Willkommen auf der anderen Erdhälfte! Wie die Strudel, so der Mensch. Auf unerforschten, seltsamen Wegen zu wandeln, die Dinge andersrum zu sehen, mal was ordentlich in den Sand zu setzen…das gehört schon fast zu einem guten Lebenslauf dazu. Wie weise. Ich sehe mich konfrontiert mit einer dunklen Ahnung das all die correctness und Verantwortlichkeit möglicherweise umsonst ist, wenn sie gleichzeitig die Lebenskräfte aufsaugt und ich frage mich ernsthaft wann ich eigentlich Spass hatte…
Manchmal ist es bestimmt ganz hilfreich hinter sich den Zaun zum Ende der Welt zu wissen.
zwischen
April 8, 2008
Hey…Regen seit zwei Tagen, Freunde seit 5 Tagen, Horizonterweiterung an jedem Tag seit dem 08.Februar 2008. Man kann nicht ahnen wie viele Menschen man kennenlernt, wie viele auffällig zufällige Begegnungen man hat, so oft das man eigentlich nicht mehr an Zufälle glauben kann…
Ich hätte nie gedacht Freunde in Gisborne zu finden, einer relativ kleinen Stadt, schön und trostlos zugleich. Die Gisborne-Highlights bisher: Eine Billard/Pool-Bar ohne weisse Bälle zum spielen, eine Live-Privat-Hardcore-Show von Saving Grace inklusive einem aufgebrachten Proberaumuntermieter, der kurzerhand die Sicherung ausgeschaltet hat um sich Gehör zu verschaffen…na ja, das macht jetzt einen falschen Eindruck, schätze ich. Unsere Freunde hier sind so cool: die Bekanntschaft war nur über’s Internet, wir kamen hierher und wussten alle nicht so genau was uns erwartet, nach 2 Tagen bekamen wir das Angebot so lange zu bleiben wie wir wollen…häh??!! Wo findet man so was, pretty weird, ey?! Es ist ein echtes Geschenk hier zu sein, ein offenes Haus, Teil der ‘Kommune’ zu sein (der Sänger der Band wohnt in der Garage), eine neue Familie zu haben…genau das empfinde ich. Es tut gut und ich habe das Gefühl das diese Reise ein seltsam heimlicher Brückenbau für ein Netzwerk unbekannter Art ist…mal im Ernst, man fängt an zu spüren das es einen Gott geben muss. Ich finde mich selbst in einer Kirche sitzen mit den seltsamsten Leuten, nichts besonderes, es ist sogar ausgesprochen unspektakulär und langweilig; diese Leute beten und meine Tränen laufen über, ich spüre eine Präsenz die nicht mit Worten zu erklären ist. Ich verstehe nicht alles, aber das scheint dieser Präsenz egal zu sein, sie ist überall. Passend zu dieser unerklärlichen Gefühlslage diese Regentage: man sitzt im Haus und ist unentschlossen ob man sich gegen diese erzwungene Ruhe wehren soll oder nicht…ab und zu mal die Pfütze aus dem Kofferraum wischen gehen (weil durchgerostete Stellen), überlegen warum man hier ist…den Zitronenbaum beobachten, er sieht so schön aus im Regen, das hätte ich nie erlebt wenn ich geblieben wäre…
Karaoke OK
März 18, 2008
Zum zweiten Mal seit wir im Land der aufgehenden Sonne sind, sind wir zum Karaoke gegangen…was hier so eine Art Volkssport ist bei jung und alt. Aus Deutschland kommend verstehen wir unter Karaoke eine Veranstaltung in einem Irish Pub z.B. wo man sich vor versammelter Mannschaft zum Affen macht (oder so ähnlich) Daher war ich sehr gespannt als ich/wir uns zum ersten Mal auf dieses Abenteuer eingelassen haben. Und nun bin ich bekehrt, kuriert von Vorurteilen: Karaoke ist SUGOOII!!!
Erstmal gibt es sehr viele Karaokebuden hier, man sollte als Ausländer darauf achten das das Liedangebot stimmt. Wir hatten eine Auswahl von Nena, Falco, Julio Iglesias, 50 Cent, U2, Red Hot Chili Peppers, Pantera, AC/DC, usw. Wahnsinn! Dazu ein Supersoundsystem, einen eigenen privaten Raum mit Telefon für Bestellungen der Getränke (die dann kurz nach Bestellung mit einem Servierwagen herangefahren werden) und frischen, eingetüteten Mikrofonen. Meine persönlichen Highlights: Bohemian Rhapsody / Queen (Spassgarant), Rock and Roll is dead vom guten alten Lenny Kravitz (Luftgitarrensolo) und Carole King’s You’ve got a friend. Sehr witzig sind die Videos die im Hintergrund zu den Liedern laufen. Da kann es schon mal vorkommen das man von ewiger Liebe singt und im Hintergrund sich zwei Kerle verprügeln oder eine kindisch aussehende Frau epileptisch und behämmert in der Gegend rumhüpft. Auch die Schauspieler sind immer wieder die gleichen („…schon wieder dieser Typ auf der Harley…“)
Und über allem schwebt ein mehr oder weniger leiser Kitsch.
Aber das ist egal, solange man hinter geschlossener Tür mit guten Freunden ein paar Stunden Spass hat und sein kann wie man will, ohne Angst zu haben etwas falsch zu machen. Ich finde das irgendwie charmant japanisch.
Lost in translation?
Februar 26, 2008
Wer den Film kennt kann sich vielleicht erinnern an die Madness, die auf einen einstürmt, totale Fremdheit…vor einigen Tagen konnten wir selbst erleben wie das ist, z.B. in Shinjuku. Dazu einige Gedanken von mir, ein paar Tage alt.
Shinjuku 16.02.08
grell bunt laut auto abgas geschrei konsum blitzblank pompös steril radio schmutz cellophan plastik müll menschen anonym angebote essen fremd style durcheinander freundlichkeit schilder leuchten bodenbeben untergrund neon einsamkeit strom nostalgie
ich bin nur ein mensch zwischen den ebenen. über mir rattert ein zug unter mir rollen die autos. über dem zug restaurants, kaufhäuser, rolltreppen. auf der strasse leblose fassaden die nicht vermuten lassen das es leben gibt. das leben ist in ebenen und stockwerken zu finden. die fussgängerwege oft im untergrund. schilder geben nichtssagende auskunft über verschiedenste ausgänge. ich lasse mich treiben mit dem strom, wohin die mehrheit geht. meistens hat man mit dieser methode erfolg. warum steht vor fast jedem geschäft jemand mit flüstertüte? mir kommt der gedanke ob hier plakate überhaupt bemerkt werden würden…da hilft nur lärm. trotz all dem chaos und der grossen menschenmassen kommt mir das gedränge nicht aggressiv vor, ich habe nicht das bedürfnis mich zu schützen, ich habe keine angst beklaut zu werden. es ist einfach anders. ich glaube zu verstehen woher die sehnsucht nach der heilen welt, alpenlandschaften, schönen dingen kommt.
Lost in translation – Regel Nummer eins:
Nie ohne Wörterbuch aus dem Haus gehen, aber Achtung: die Wörter im Wörterbuch sind oft sehr alte Wörter, die man eigentlich nicht mehr benutzt und manchmal auch Wörter, die man als Gentleman/-woman nicht sagen sollte, fast schon unanständig sind (woher soll man das wissen, lieber Langenscheidt?!)
Lost in translation – Regel Nummer zwei:
Wenn man einen Laden betritt wird man begrüsst mit einem ‘Irashaimase!’ was soviel heisst wie ‘Herzlich willkommen, hereinspaziert’ oder so. Als Europäer ist man geneigt freundlich zurückzugrüssen, was aber nicht nötig ist. Eine angedeutete, würdevolle, kleine Verneigung, quasi ein hoheitsvolles zur Kenntniss nehmen reicht völlig aus, eigentlich kann man es auch sein lassen. Wenn man zur Kasse schreitet redet der Kassierer/-in sehr viel, wieviel Geld er/sie von uns entgegennimmt, wieviel Rückgeld man bekommt, der ‘reschiito’ (japenglisch von receit – Beleg) wird mit beiden Händen dem Gott Kunde überreicht (mit Verbeugung). Daraufhin kommt ein vielfaches Dankeschön und Auf Wiedersehen, beehren Sie uns bald wieder. Ganz Europäer bin ich abermals versucht mich auch zu bedanken und einen schönen Tag zu wünschen. Also ich: arigato gosaimashita (Verkäufer irritiert), woraufhin Ayu anfängt zu kichern/lachen. Aus dem Laden draussen erklärt mir Ayu das ich ein sehr höflicher Kunde sei. In Japan kann der Kunde einfach so abhauen, er ist ja Gott und braucht das nicht zu tun. A SO DESUKA!! (ach so ist das!) Trotzdem ist es eine sichere Methode für einen Gaijin wie mich höflich durch Japan zu kommen, eine Verbeugung und ein Dankeschön an der falschen Stelle schadet wohl nicht…